35. Hochzeitstag - die Leinwandhochzeit

Die Benennung von Hochzeitstagen zeigt uns immer noch, mit welchen Vorstellungen und Gebräuchen Menschen früher gelebt haben. In der Mitte der Ehe-Jahrzehnte sind die Hochzeitstage üblicherweise nach Metallen benannt. Das bekannteste Beispiel dafür ist sicher die Silberhochzeit, die nach 25 Ehejahren gefeiert wird. Weniger bekannt, da nur selten erreicht, ist die Eiserne Hochzeit oder auch Eisenhochzeit nach 65 Jahren.
Die Leinwandhochzeit, die am 35. Hochzeitstag begangen wird, stellt eine Ausnahme dar. Wie nun ist die Leinwandhochzeit zu ihrem Namen gekommen?

Üblicherweise musste ein junger Ehemann nach der Hochzeit seine Frau ernähren können und später die Kinder zumindest so lange, bis sie selbst alt genug waren, um für die Familie zu arbeiten oder Geld zu verdienen. Der Wohlstand einer Familie stieg also - wenn überhaupt - nur langsam an.
Eine Familie, die überlebt und genug erwirtschaftet hatte, von einem Kunstmaler bildlich für die Nachwelt erhalten zu können, war ein sichtbares Zeichen des Erfolgs. Die Erfahrung zeigte, dass nach 35 Jahren das Geld reichte, um die mittlerweile gestandenen Eheleute portraitieren zu lassen. Es wurde üblich, sich zum 35. Hochzeitstag diesen Luxus zu gönnen, sich auf die Leinwand bannen zu lassen - also die Leinwandhochzeit zu begehen.

Die ebenfalls gebräuchliche Bezeichnung Leinenhochzeit ist nur sprachlich davon abgeleitet und hat die gleiche Bedeutung.

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